Versuch einer Rekonstruktion
also die letzten drei Wochen waren sicher eine der Intensivsten, die ich bisher überhaupt gehabt habe… verdammt viel unternommen und kaum schlafen… es ist gibt hier einfach viel zu viel zu sehen..
naja… jetzt probier ich mal diese Zeit zu rekonstruieren und niederzuschreiben.
mal zu den harten Fakten:
- ich bin in New York für drei Monate (noch bis 26. August) um ein Praktikum zu machen
- die Pall-Mall-Foundation bezahlt den ganzen Spass (also alles) und organisiert Events (Broadway musical, Baseball, Seminare jeden Freitag…) -> Tipp an alle.. bewerbt euch nächstes Jahr für das Programm !!!!!
- ich bin hier mit 25 Deutschen und einem Österreicher, die alle bei unterschiedlichen Firmen in unterschiedlichen Bereichen (Werbung, Multimedia, Fashion Design, Finanz, Hotel,…) Praktikum machen
- wir wohnen alle im I.Haus, einem Studentenheim mit 600 anderen Leuten aus der ganzen Welt und haben hier alles was man zum überleben braucht (Mensa, Fitnesscenter, Turnsaal, Pub,… eigentlich bräuchte man das Gebäude zum Überleben gar nicht verlassen)
tja.. das klingt alles sehr trocken bis jetzt… die Erzählungen sollten dann ein bisserl unterhaltsamer werden hoffe ich
29. Mai
also beginnen wir mal ganz am Anfang:
Ich bin am Montag dem 29. Mai um ca. 16:30 mit dem Zug von Graz abgereist. Nach ner relativ anstrengenden Nacht im Zug bin ich in der Früh in Berlin angekommen und dann mehr oder weniger sofort ins Hotel (natürlich von Pall Mall gezahlt) gefahren. Dort hab ich mich dann noch ca. 2 Stunden ausgeschlafen um dann am Nachmittag das Vorbereitungsprogramm zu beginnen. Ein paar Einreisetips, Fototermine und Small-Talks später, gab es noch ein super Abendessen, ehe alle ins Bett gefallen sind.
31. Mai
Früh aufstehen und nach New York fliegen war die Devise. Ziemlich geil eigentlich. Einchecken etc. war sehr problemlos - sparsam wie ich bin hab ich auch relativ wenig mit - um beim Rückflug umso mehr mitnehmen zu können
Der 6-stündige Flug war halb so schlimm - es gab ja 25 deutsche Mitreisende zum Kennenlernen. Angekommen in New York wurden wir von CDS International (der Organisation, die für die Vermittlung der Praktikumsstellen und die Betreuung vor Ort verantwortlich ist) abgeholt und zum International House gebracht. Anschließend gleich mal ne Einführungsveranstaltung über Sicherheit und Verhaltensregeln vor Ort, das Studentenwohnheim und die Aktivitäten mit CDS Int.
Tja.. Ruhe gabs dann trotzdem noch keine… Dem Jet-Lag ein Schnippchen schlagend, gingen wir gleich mit den Betreuern in Harlem essen. Anschließen noch schnell ein Besuch auf der Dachterasse des Hause und wir fielen alle ins Bett. Es war nach österreichischer Zeit auch schon 5 Uhr in der Früh.

1. Juni
Zeitig aufstehen und sofort zum Büro von CDS fahren war angesagt. Dort wurde uns der Ablauf der nächsten 3 Monate grob erklärt und wir bekamen Tipps und Tricks zum Überleben in NY. Am Nachmittag waren wir dann das erste Mal auf uns gestellt - bisher kam der organisierte Ablauf ja eher einer Schullandwoche gleich (dieses Gefühl stellt sich in den nächsten Tagen noch öfter ein - aber he - auch nicht schlecht).
Es gings so richtig ans Sightseeing: Brooklyn Bridge (zu Fuß drüberspazieren - sehr heiß), China Town, Soho und was weiss ich wo wir sonst noch waren… Nach kilometerlange Märschen gings am Abend noch in ein Pub in Soho - sehr nett.

2. Juni
Am morgen gins wieder relativ früh zu CDS wo wir ein Seminar über Amerikas Wirtschaft hatten. Super interessant !!! Gegen Mittag fuhren wir dann nach Ellis Island (Insel vor Manhatten wo früher die Einwanderer ankamen und abgefertigt wurden) und am Abend schlenderten wir weiter durch die endlosen Strassen von New York - leider bei Regen obwohl es trotzdem sehr warm war (seit der Ankunft macht uns ja die unglaublich heiss und feuchte Luft das Leben schwer).

Samstag und Sonntag (3./4. Juni) gings dann ähnlich weiter - früh aufstehen und durch alle Stadtviertel schlendern (Soho, Tribeca, Lower Eastsside, Greenwich, Financial District,…) - eigentlich sehr gemütlich, ohne dem touristischen Stress, aber doch sehr anstrengend wenn man
den ganzen Tag durch die Stadt rennt.

Auffallend ist, dass sich alle Klischees bestätigen - New York ist doch wirklich sehr verrückt.

Abends begnügen wir uns dann am ersten Wochenende mit dem Pub im Wohnheim (immerhin muss sich die Gruppe ja auch noch kennenlernen - der eigentliche Grund war aber totale Erschöpfung) oder mit Fußballspielen im Turnsaal - ja stimmt, uns geht hier nicht viel ab.

5. Juni
Arbeiten sollen wir hier also auch noch… die Motivation gering, die Aufregung in einer neuen Firma zu starten eigentlich auch. Wer will schon Arbeiten nach 5 Urlaubstagen?
Die Firma bei der Christoph, ein anderer Pall-Maller, und ich untergebracht sind, nennt sich World Wide Audio. Die machen hauptsächlich Audioproduktion, ein bisschen Film und Video und alles womit sich sonst noch Geld machen lässt. Von uns wollen sie ne neue Website - naja… nicht so richtig spannend für mich, aber was solls, man braucht ja ne Rechtfertigung um in New York zu sein.
Zusätzlich machen wir aber schon auch interessante Sachen: bei Filmdrehs helfen, Training Session der Chefin (über dies und das) und sobald Christoph die Firma verlässt (er ist nur 6 Wochen hier) und die Website fertig ist, hoffe ich, dass ich mehr im Videobereich helfen kann… mal sehen…
achja, kurioses Detail… bei der Firma starten im Schnitt (ohne Übertreibung) 2 Praktikanten pro Woche (bis jetzt zumindest). Bei nur 3-4 fix Angestellten Mitarbeiten ist das schon net schlecht und endet in einem Mangel an Arbeitsplätzen und Computern.. naja… Amis halt.
Die restliche Woche ist eher Ruhig. Man arbeitet den ganzen Tag, schaut sich nach der Arbeit noch irgendeinen Stadtteil an und trifft sich mit dem Rest der Gruppe zum abendlichen Bier im Pub. So zwischen 1 oder 2 Uhr in der Nacht ist die Müdigkeit zu stark und ich falle ins Bett.
8. Juni
Da wir freitags ja immer Seminare haben und die Firma nicht will, dass wir nur für 2 Stunden in der Früh in die Firma fahren (die Anreise dauert doch ungefähr 50 min) beginnt bei uns das Wochenende am Donnerstag Abend.
Auf Empfehlung von Arbeitskollegen einer Freundin gehts in ein Lokal mit mehreren Rockbands, die teilweise wirklich sehr gut sind. Der Preis für NY-Verhältnisse auch verkraftbar (8$). Ein wirklich netter Abend in Lower Eastside.
9. Juni
Auschlafen und zum Eröffnungsspiel der Fußball-WM, immerhin bin ich ja mit 25 Deutschen hier (hoffentlich gewinnen die net die WM
). Anschliessend Seminar zur Politik Amerikas… alles irgendwie schon einmal gehört und ein bisschen langsamer Vortrag… trotzdem interessant.
Am Nachmittag gehts nochmal zu Fuß über die Brooklyn Bridge. In Brooklyn angekommen haben wir uns die angeblich beste Pizza New Yorks geholt und auf den Pier gesetzt… genialer Blick, Sonnenuntergang, Nachwuchs-Rapper, die ein Musikvideo drehen und Teenies vor ihrer Prom-Night. Was will man mehr…
Nach traumhafter Pizza gehts weiter nach Brooklyn. Auf Tipp eines weiteren Arbeitskollegen fahren wir zu einem Club wo einige Bands spielen. Das ganze befindet sich im tiefsten Brooklyn, keine Menschen auf der Strasse, Autos fahren langsam an einem vorbei - man muss doch ein bisschen aufpassen wo man hingeht. Das Lokal findet man nicht wenn man nicht weiss wo man hin muss. Ein einfaches, verrostetes Türschild mit der Nummer 100 befindet sich am Eingang und wenn man genau hinhört kann man ein bisschen Musik wahrnehmen… mutig machen wir die Tür auf und sind in einer Halle, die von Studenten zu einem Undergroundclub umfunktioniert wurde. Sehr geniale Location… die Musik nicht ganz so berauschend….

Am Samstag wurde dann der Osten Manhattens erkundet. Super Wetter, nette Begleitung und ein ruhiges Viertel - so wie man NY aus dem Fernsehen eben nicht kennt.
Auf Grund des genialen Wetters und leichter Müdigkeit haben wir uns schon am Nachmittag in das erste Lokal gesetzt (im Freien natürlich) - gutes Essen, quatschen und Leute beobachten war die Devise. Abends kamen dann die Mädls mit Jordan, einem New York, ins Gespräch, was sich später noch als äußerst nützliche Bekanntschaft herausstellt. Er gab uns auch gleich einen Fortgeh-Tip in dieser Gegend, den wir dann auch nutzen. Wir gingen also ins Nublu, wieder ein Lokal das man eigentlich nicht finden kann - an einer unscheibaren Tür hängt nur eine blaue Glühbirne. Geniale Atmosphäre und ein Super DJ - tanzen bis zum Umfallen!!!! - was so gegen 5 Uhr in der Früh dann war… Den Touristenstatus haben wir eindeutig hinter uns gelassen - Donnerstag, Freitag und Samstag totale Insiderläden besucht… nice…

11. Juni
Den Sonntag gingen wir dann doch eher Ruhig an. Mit dem Ziel die Puertorikaner-Parade zu besuchen schlenderten wir durch den Central Park, schafften es dann aber nicht sofort zur Parade. Tausende von Leuten, die in der schönen Wiese liegen und die Sonne genießen, können sich nicht irren. Wir folgen ihrem Beispiel.
Nach einer Rast schafften wir es dann doch noch zur Parade, die aber total überfüllt war - wir schnurstracks wieder zurück in den Park zum Frisbee spielen - oh ja… hier fliegen bestimmt 30 Frisbees zugleich durch die Luft - kreuz und quer - Kopf einziehen….

13. Juni
Zwischen den Wochenenden haben wir dann wieder ein paar Arbeitstage eingeschoben. Am Dienstag jedoch gabs ne nette Abendsbeschäftigung: es spielten die Eels, für die dies nicht wissen - ein relativ bekannte Band, eine gratis Konzert direkt am Hudson River. Was in Österreich zu Massenanstürmen führen würde wird in NY nahezu ignoriert… schon einige Zuschauer, aber bei Gott nicht voll… darunter litt auch die Stimmung. Der Sonnenuntergang über New Jersey und dem dazwischenliegenden Hudson River, kombiniert mit genialer Musik entschädigt aber für einiges.
Getroffen hatten wir uns dort auch noch mit Jordan, der Bekanntschaft vom Wochenende, und seinem Freund Ryan aka. Disco. Dieser nahm uns nach dem Konzert auch noch auf die Dachterrasse seines früheren Appartments mit - 40. Stock - Blick auf den Hudson River, New Jersey, und ganz Manhatten…. totaler Wahnsinn… meine Camera hab ich an dem Tag natürlich zuhause gelassen - damn it.. wer konnte das wissen… Danke an Markus für die Fotos

15. Juni
Abendprogramm von CDS Int. - wir gehen auf den Broadway ins Musical “Rent”. Ganz nett… Coole Musik, Story naja… nett einmal gesehen zu haben..
Achja.. gestern haben wir nen sehr langen Tag in der Arbeit gehabt. Wir haben bei einem Independent Filmdreh ausgeholfen.. war eigentlich sehr interessant… aber doch ein 13 Stunden Arbeitstag.

16. Juni
Freitage beginnen wie immer mit einem CDS Seminar. Diesmal gehts zu einer Grundschule in die Bronx. 27 Weiße fallen dort doch sehr auf. Das Seminar über das Schulsystem war entgegen meiner Erwartungen total interessant, wenn auch sehr depremierend. 15 Schüler erzählen uns über ihre Probleme (Rassimus, Gewalt, Armut, Drogen,..), obwohl sie doch erst 12-13 Jahre alt sind, und ihre Träume Ärzte, Musiker und Wissenschater zu werden.
Nachher erzählt uns ihre Lehrerin, dass 95% unter der Armutsgrenze leben, 75% noch nie in Manhatten waren, obwohl es eine 30 minütige U-Bahnfahrt um 2$ entfernt ist, sie eine Fehlquote von 50% Prozent haben und die Anforderungen zum Bestehen einer Klasse heruntergestzt wurden, da man sich die “Summer School” für soviele Kinder nicht leisten konnte. Tja.. mehr gibts da wohl nicht zu sagen…
Am Abend haben wir uns ein gratis Jazz-Konzert im Central Park angehört und sind anschließend nach Lower Eastside gefahren… die Gegend entwickelt sich langsam zu unserem Lieblingsvierte.
Der Samstag begann dann eher Ruhig, man schlendert durch Chelsea (been there done that - ein neues Viertel, dass man abhacken kann) und sitzt mit einem Eiskaffee (natürlich von Starbucks und natürlich auck mit einem viiiel moderneren Namen) am Union Square… New Yorker beobachtend..

Ab mit dem Zug nach Brooklyn ins neue Innviertel “Williamsburgh”. Wir spazieren herum und finden ein Möglichkeit (durch winzige Zaunlöcher kriechend) zum Pier zu kommen - super Blick auf Manhatten - schlimmste Touristenfotos entstehen… siehe selbst…

Nach dem Touristenkitsch gehen wir richtig gemütlich (und teuer) Abendessen…
Anschließend verschlagt es mindestens 15 Leut der Pall-Mall Gruppe zur nächsten Insider-Party. Jordan (der aufmerksame Leser weiss wer das ist) hat uns wieder mal nen Tipp gegeben der Gold Wert ist. Wir finden uns in einer Hippy-Bude wieder… ein mehrstöckiges Gebäude, das von Künstlern gemietet und dementsprechend dekoriert ist, wird gelegentlich für illegale Partys benutzt, damit sie die Miete bezahlen können. Total verrückt… man bekommt Biene Maya Fühler beim Eingang, an der Decke baumelt alles was man sich vorstellen kann, die Wände sind bunt bemalt, auf die Dachterrasse kommt man mit einer Leiter…. die Bude is voll und die Feuerrichtlinien lassen Grüßen… es war der Hammer… zurückgekommen sind wir gegen halb 7 in der Früh…
18. Juni
Ein ruhiger Sonntag. Der Weg zum Central Park ist für unsere Gemütslage zu weit, wir legen uns in den Park neben dem Wohnheim. Am Abend gehts noch zu Jordan, der uns und einige seiner Freunde zu einer kleinen Roof-Top-Party eingeladen hat. Pizza, europäischer Käse und andere Köstlichkeiten bei Blick über NY - nice - Lenin ist auch bei uns (in Form einer 3 Meter hohen Statue, die von dem Dach aus über Lower Eastside trohnt).